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Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt (engl. für Hebeleffekt/Hebelwirkung) ist ein finanzwirtschaftlicher Begriff, der allgemein Situationen beschreibt, bei dem kleine Variationen einer Variablen zu großen Ausschlägen im Resultat führen. Der Begriff Leverage wird in verschiedenen Bereichen verwendet:

  • Kapitalstruktur (''financial leverage'')
  • Kostenstruktur (''operating leverage'')
  • Derivate


Kapitalstruktur

Als Leverage wird die Hebelwirkung der Finanzierungskosten des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalverzinsung verstanden. So kann durch Einsatz von Fremdkapital die Eigenkapitalrendite einer Investition gesteigert werden. Dies trifft jedoch nur zu, wenn ein Anleger Fremdkapital zu günstigeren Konditionen aufnehmen kann, als die Investition an Gesamtkapitalrentabilität erzielt.


Berechnungsmethode

Falls die Gesamtkapitalrentabilität ''rGK'' (Interner Zinsfuß der Investition) höher ist als der Fremdkapitalzinssatz ''rFK'', erhöht sich mit zunehmendem Verschuldungsgrad ''V'' (Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital) die Rendite ''rEK'' des eingesetzten Eigenkapitals (auch Eigenkapitalrentabilität genannt).

 

Unter der Prämisse, dass der Fremdkapitalzinssatz auch bei hohem Verschuldungsgrad (FK/EK) konstant ist, gilt folgende Formel:

 


Leverage-Risiko

Bei ansteigender Verschuldung (''leverage'') können auch geringe Variationen der Fremdkapitalzinsen oder der Gesamtrentabilität des Projektes starke Ausschläge bei der Eigenkapitalrentabilität erzeugen.


Beispiel 1

Ein Unternehmen kann ein Projekt mit einer Rendite auf das eingesetzte Kapital (''rGK'') von 10 Prozent erzielen. Das gesamte eingesetzte Kapital beträgt 1000 Euro und wurde hälftig durch Eigenkapital und Fremdkapital (also je 500 Euro) finanziert. Der Gewinn vor Zinsen beträgt somit 100 Euro. Der FK-Zins, den das Unternehmen dem FK-Geber zahlen muss, beträgt bei 2 Prozent 500*0,02 = 10 Euro. Den Gewinn (90 Euro) erhält das Unternehmen. Die Eigenkapitalrentabilität beträgt somit 18 Prozent (90/500), da dieser Gewinn zur Hälfte aus Eigenkapital erwirtschaftet wurde.

 

Der Leverage-Effekt ist die Differenz aus Rendite und Zinsaufwand, also 90 Euro (100-10) oder 18 Prozent auf sein eingesetztes Eigenkapital.


Beispiel 2

Das gleiche Unternehmen (''rGK'' 10 Prozent, Fremdkapitalzinssatz ''rFK'' 2 Prozent) reduziert nun den EK-Anteil am Projekt von 500 Euro auf 200 Euro. Für die Lücke kommt FK mit dem unveränderten FK-Zinssatz auf. Somit beträgt das FK nun 800 Euro.

 

Aus den unveränderten Roh-Gewinnen von 100 Euro müssen nun 16 Euro (800*0,02) für Zinsen bezahlt werden. Der Rest des Gewinnes beträgt 84 Euro, welche mit nur 200 Euro eingesetztem EK-Kapital erwirtschaftet wurden. Die EK-Rendite beträgt neu 42 Prozent (84/200). Die freigewordenen 300 Euro (von 500 Euro aus Beispiel 1) müssen nun auch mindestens zum FK-Zinssatz angelegt werden, um die Lücke des absoluten Gewinns (6=90-84=300*0,02) auszugleichen.


Beispiel 3

Nun ändern wir die Bedingungen für Fremdkapital fundamental! Plötzlich ist für das Fremdkapital ein Zinssatz von 12 Prozent zu bezahlen (vorher 2%). Aus dem Roh-Gewinn von 100 Euro sind plötzlich 96 Euro (800*0,12) an FK-Zinsen zu bezahlen. Für das Unternehmen verbleiben 4 Euro (100-96), was einer EK-Rendite von nur noch 2 Prozent (4/200) entspricht.


Schlussfolgerungen

Die Grundannahme für Beispiel 2 ist, dass die Gesamtkapitalrendite größer als der FK-Zinssatz ist. In einer solchen Konstellation ist es sinnvoll, eigenes Kapital möglichst durch Fremdkapital zu ersetzen. Man kann zudem noch die gezahlten Zinsen von den Steuern absetzen, was einen zusätzlichen Steuervorteil aus der Verschuldung ergibt (Tax Shield). Zinsen bedeuten Aufwand, dieser mindert den Gewinn, welcher versteuert werden muss. Dies wurde jedoch in den obigen Beispielen vernachlässigt.

 

Falls die Gesamtkapitalrendite kleiner wäre als der Zinssatz für Fremdkapital, dann würde es sinnvoller sein, die Investition zu unterlassen und das EK zu FK-Zins anzulegen (Kapitalverzinsung zum Beispiel durch Wertpapieranlage). Dadurch würde mehr Ertrag erwirtschaftet werden und zudem kein Investitionsrisiko bestehen. Unter dieser Annahme wird klar, dass sich der Hebeleffekt nur solange positiv auswirkt, wie der FK-Zins unter der Gesamtkapitalrendite liegt.

 

Aus Beispiel 3 geht hervor, dass sich bei teurerem Fremdkapital oder bei einbrechender Rendite die Gesamtrendite entsprechend dem Hebel auch ins Negative kehren kann.


Kostenstruktur (Operating Leverage)

Eine ähnliche Hebelwirkung wie die (fixen) Zinsen auf die (variable) Eigenkapitalrentabilitätwirkung besteht zwischen den Fixkosten und der Umsatzrentabilität. In Anlehnung an den finanzwirtschaftlichen Leverage-Effekt, wird hier von ''Operating Leverage'' (auch Gewinnhebel) gesprochen; der Gewinnhebel

  • misst die Beziehung zwischen den fixen und variablen Kosten einer Unternehmung,
  • ist am größten in Unternehmen mit hohen Fixkosten und geringen variablen Stückkosten,
  • zeigt, wie sich eine prozentuale Änderung in der Absatzmenge auf den Gewinn auswirkt.

 

 

Operating Leverage = Deckungsbeitrag / Gewinn

 

Aus operationalen Fixkosten entstehende Hebelwirkung auf die gesamten Kosten einer Unternehmung (Fixkosten plus variable Kosten). Die Fixkosten erhöhen die Rentabilität bei gutem Geschäftsgang und hoher Auslastung, bergen aber bei schlechtem Geschäftsgang sowie geringer Auslastung erhebliche Risiken in sich, da die fixe Belastung bestehen bleibt. Die einer Produktion inhärenten Fixkosten bewirken somit eine überproportionale Auswirkung von Umsatzschwankungen auf den Reingewinn.

 

 

OL = Prozentuale Änderung des EBIT/Prozentuale Änderung der Umsatzerlöse

 

auf Grund einer Absatzmengenänderung.

 

 

  • x: Aktuelle Absatzmenge (Einproduktunternehmen)
  • P: Stückerlös
  • Kvar: Variablen Stückkosten
  • Kfix: Fixkosten

 

 

''Beispiel:'' Unternehmen A und B

 

kvar(A) < kvar(B) und Kfix(A) > Kfix(B) => Operating Leverage: OLA(x) > OLB(x)


Implikation

Relativer EBIT von Unternehmen A reagiert stärker als der des Unternehmen B auf Änderungen delta x / x. Deshalb besitzt Unternehmen A eine höhere Renditevariabilität im Vergleich zu Unternehmen B. Im Zusammenhang mit der Schätzung des Betafaktoren in der technisch fundamentalen Analyse lässt sich daraus schließen, dass Beta A > Beta B sein muss.


Leverage-Effekt bei Derivaten

Auch bei Derivaten wird von Hebel bzw. ''Leverage'' gesprochen, da hier mit geringen Mitteln verhältnismäßig große Positionen im Basiswert eingegangen werden können. Dies bedeutet, dass die prozentuale Veränderung der Gewinne und Verluste auf ein Derivat größer ist als die entsprechende Veränderung des jeweiligen Basiswertes.

10/18/12

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